Geschichte

Besiedlung der Albaniederung

Einst lebten im Gebiet Hammerburgs vorzeitliche Dorfgemeinschaften. Es waren einfache Bauern und Handwerker die sich offenbar gegen plündernde Wandervölker oder andere Eindringlinge erfolgreich wehren konnten. Vor ungefähr 800 bis 900 Jahren drangen erneut Fremde in jene Gegend vor. Woher sie stammten ist nicht belegt. Einige Gelehrte vermuten, dass die Ereignisse jener Zeit auf einem alten Runenstein beschrieben werden, der in der Universität Hammerburgs ausgestellt ist. Die knappe Sage erzählt von vielen Fremden, die auf Booten die Alba hinaufkamen. Die Weitgereisten, wie sie der Runenstein beschreibt, errichteten über Nacht ein befestigtes Lager in der Albabiegung des Hammerbruchs. Anschließend kam es zum Kampf mit den Einheimischen, da sie auf jenem Stück Land ihre heilige Kultstätte hatten. Doch die Weitgereisten schlugen sie zurück und unterwarfen sie letztlich. Die Festung auf dem Hammerbruch wuchs in den folgenden Dekaden und der Eroberungsdurst wollte gestillt werden. Sie drangen tiefer ins Land ein, unterwarfen weitere einheimische Stämme, gründeten neue Lager. Es ranken sich viele Geschichten und Legenden um die frühen Zeiten in diesem Land, doch nur soviel lässt sich mit Sicherheit sagen. Etwa einhundert Jahre nach der Eroberung waren mehreren aufstrebende Dörfer und die drei Städte Leubeck, Hammerburg und der Herrschersitz Lohnburg aus der Eroberung erwachsen.

 

Die Grafschaft Lohnburg

Historischen Unterlagen bezeichnen das Land damals bereits als Grafschaft Lohnburg. Ob die Grafschaft souverän war oder vielleicht eine Exklave des Heimatlandes der Weitgereisten, wird unter Gelehrten sehr kontrovers diskutiert, das sich für beides Indizien in historischen Briefen und Dokumenten findet, aber nicht ein klarer Beweis. Von den Anhänger der Exklaven-Theorie wird vorallem das Argument ins Feld geführt, dass ein paar Hundert Auswanderer völlig auf sich alleine gestellt in einem fremden Land niemals so rasch hätten entwickeln und festigen können. Die Gegenseite argumentiert, dass es keinen einzigen Hinweis auf den Namen des Heimatlandes oder des Heimatvolkes gibt, was auf einen Bruch mit der ursprünglichen Heimat deutet. Gleichwohl galten die ersten Grafen Lohnburgs als gütige Herrscher, die es in nur wenigen Generationen schafften die unterworfenen Stämme und die eigene Bevölkerung zu einem Volk zu vermengen. Lohnburg, weit stromaufwärts der Alba, wurde zu einer prächtigen Stadt und vorallem von Adel und Aristokraten bewohnt, während Hammerburg mit seinem schiffbaren Hafen sich zum wichtigen Handelszentrum der Grafschaft wurde. Über Leubeck ist nur überliefert, dass es tief im Landesinnern lag und durch Arbeiter und Handwerker geprägt war. Die Gelehrten ändern alle jubel Jahre ihre Meinung, in welcher Himmelsrichtung und wie weit entfernt die alte Stadt liegen müsste und immer wieder versuchen sich archäologische Expeditionen aufgrund dieser Erkenntnisse daran, Leubeck zu finden. Bisher kehrten sie jedoch entweder erfolglos oder manchmal garnicht zurück. Im Volksmund gibt es eine Vielzahl von Mythen und Märchen, die sich mit Leubeck befassen und warum es nicht gefunden wird. Die meisten erzählen davon, dass Leubeck zerstört oder verschwunden ist, andere davon, dass die Leubecker sich nach dem Fall der Grafschaft für ihre Vergangenheit derart schämten, dass sie einfach ihren Namen änderten und seither so tun, als wüssten sie nichts von einer Stadt namens Leubeck. Wieder andere behaupten auch einfach es hätte Leubeck nie gegeben.

 

Ottokar der Abscheuliche

Gute zweihundert Jahre später genoss der herrschende Adel bei weitem nicht mehr das Ansehen der Vorfahren. Sie verfielen längst in Dekadenz und Arroganz und schwelgten selbst in Reichtum und Völlerei. Das Volk wurde auf seinen Platz verwiesen und diente. Die privilegierten Bürger konnten frei ihren Geschäften nachgehen und hielten sogar Lehn im Umland, doch der weit überwiegende Teil der Einwohner der Provinz Hammerburg bestand aus Leibeigenen und auch Sklaven. Im Jahr 1035 war die Stimmung in der Stadt Hammerburg auf einem Tiefpunkt angelangt. Erbgraf Ottokar, Statthalter der Provinz Hammerburg, war für seine Grausamkeit und Verachtung gegenüber den niederen Ständen und dem Pöbel bekannt. So bekannt, das selbst fahrende Kaufleute Hammerburg nur noch widerwillig ansteuerten und der Handel beinahe zum erliegen kam. Auch die Ernten waren seit Jahren mager und in der Bevölkerung munkelte man schon, ein Fluch läge auf dem Land. Doch Erbgraf Ottokar, von Götter Gnaden Herrscher dieser Provinz, ließ sich von den läppischen Problemen der einfachen Leute nicht bekümmern.

 

Die Blutnacht von Hammerburg

Die zunehmend ignorante Haltung des Adels auch gegenüber den hohen Bürgern verschärfte die Stimmung. Die verschiedenen Schichten des Volkes begriffen die Gemeinsamkeit ihres Leids und es kam zu Unruhen. Erst waren es einzelne Bürger und kleine Gruppen von Unfreien die sich den Soldaten und Amtsträgern widersetzten. Erbgraf Ottokar verstand die Zeichen seiner Zeit nicht und ließ mit äußerster Härte dagegen durchgreifen, was die Unruhen nur weiter anfachte, welche schließlich in einen ausgewachsenen Aufstand gipfelten. Unter Hammerburgern erzählt man sich, der finale Auslöser war ein auf Geheiß des Erbgrafen junges Mädchen, welches wegen einer Bagatelle auf dem Schaffot gerichtet werden sollte. Belegt ist dies allerdings nicht, und auch die Tat das Mädchens ist von Erzähler zu Erzähler verschieden und reicht von Mundraub bis zu einem abfälligen Blick gegenüber dem hohen Herrn. In dieser Nacht griffen Sklaven und Bürger und alles was dazwischen lag zu den Waffen um sich gegen die Tyrannei Ottokars zur Wehr zu setzen. Ein großer Teil der Wachen und Soldaten der Provinz soll sich kampflos ergeben und einige sogar dem Aufstand angeschlossen haben. Die blutigen Straßenkämpfe zwischen Aufständischen und Getreuen hinterließen teils drastische Spuren an der Stadt. Es kam zu mehreren Bränden und etlichen Plünderungen in der gesamten Stadt, während der wütende Mob zum zentral gelegenen Palastviertel vordrang. Schließlich erkannte Ottokar, dass eine Niederlage unvermeidbar war und er floh mit ein paar Dutzend verbliebenen treuen Wachen aus Hammerburg. Es dauerte noch mehrere Tage bis die Brände gelöscht und die Gemüter beruhigt waren. Zur Besiegelung ihres Triumphs fackelten die Rädelsführer den Palast von Ottokar dem Feigen bis auf die Grundmauern nieder.

 

Das Jahr des Bangens

In den umliegenden Landherrenschaften der Provinz dauerte es noch einige Wochen, bis die Nachricht vom Sturz Ottokars auch die letzten Winkel erreicht hatte – und geglaubt wurde. Niemand konnte bezeugen, wohin Ottokar geflohen war. Manch einer meinte ihn mit seinen Wachen aus dem Nordtor der Barackenstadt habe reiten zu sehen. Andere sagten, er sei mit Booten die Alba hinaufgefahren. Sicher waren sich jedoch alle, dass er wohl nach Lohnburg ging und dort Truppen sammelte um Hammerburg zurück zu erobern. Nahezu jeder waffenfähige Einwohner Hammerburgs beteiligte sich in den folgenden Wochen und Monaten an der Bürgerwehr auf den Stadtmauern und auch aus dem Umland flohen viele in die sichere Festung an den Ufern der Alba, denn Ottokars Vergeltung würde grausamer und unerbittlicher ausfallen als je zuvor. Doch es geschah… nichts. Weder aus Lohnburg noch Leubeck kam der befürchtete Einmarsch und auch von den Verbündeten der Lohnburger erschienen keine Banner am Horizont. Im folgenden Winter wich die Angst vor einem Angriff den Befürchtungen einer Hungerkatastrophe. Die schlechte Ernte und die Verluste durch Brände und Plünderungen während des Aufstands, sowie die vielen zusätzlichen Mäuler aus dem Umland drohten die frisch gewonnene Einigkeit zu zerreißen. Ein loser Rat aus Vertretern aller Viertel und Schichten führte inzwischen die Hammerburg behelfsmäßig und entschied, nach einer Inventur aller Vorräte Rationen ans Volk auszugeben. Obgleich einige Schwarzseher neue Aufstände und Kämpfe innerhalb der Bevölkerung kommen sahen, hielten die Hammerburger zusammen. Bürger und Unfreie teilten bereitwillig Nahrung, Heizmittel, Decken und gewährten einander Obdach. So überstand Hammerburg diesen Winter ohne nennenswerte Opfer und der Frühlingstau sollte für neue Hoffnung sorgen. Reisende aus dem Osten berichteten, dass mit der Ankunft Ottokars auch Berichte über die Geschehnisse in Hammerburg in Lohnburg eintrafen und das Volk dort ebenfalls – allerdings erfolglos – rebellierte. Nichtsdestotrotz geriet der herrschende Adel dadurch in eine schwere Krise, verlor an Macht und Ansehen bei seinen Verbündeten. Die Grafschaft schrumpfte auf die Thronprovinz zurück und sollte sich lange mit sich selbst beschäftigen. Seit der Blutnacht gab es keinen Kontakt mehr zwischen Lohnburg und Hammerburg – bis zum heutigen Tag. Offiziell sind die Ostgrenzen Hammerburgs zu Land und Wasser seit dem geschlossen und werden streng bewacht.

 

Die Gründung der Freyen Hammerburg

Im beginnenden Sommer des Jahres 1036 wurde eine Reihe von Versammlungen in den Vierteln und Landherrenschaften abgehalten um darüber zu beraten, wie es mit der einstigen Provinz weitergehen solle. Die Entscheidung über eine neue Führung erhielt dabei die höchste Priorität. Die Leistungen des provisorischen Stadtrates wurden dabei immer wieder gelobt und so wurde sich schnell auf diese Regierungsform geeinigt. Bei den ersten freien Wahlen der Geschichte Hammerburgs sollte ein jeder der in Hammerburg lebt sowohl wählen als sich wählen lassen können. Daraus ging der erste Senat Hammerburgs hervor und es kaum verwunderlich, dass dieser beinahe vollständig aus Mitgliedern der früheren Bürgerschicht bestand, da diese im Gegensatz zu den meisten anderen über eine gewisse Bildung und Führungsqualitäten verfügten. Als erste Amtshandlungen des Senats wurde Gesetze erlassen, die das Freye Land Hammerburg in den Grenzen der ehemaligen Lohnburger Provinz definierten und alle seine Einwohner ungeachtet ihres früheren Standes zu Bürgern des Landes erklärten. Sklaverei und Unfreiheit wurden in diesem Zuge abgeschafft und geächtet. Außerdem wurden sämtliche Adelsprivilegien und -titel aufgehoben und die Rechte von Adligen sogar eingeschränkt. So durfte fortan kein Adliger Haus oder Grund in Hammerburg besitzen. Da nur wenige Mitglieder des niederen Adels nach dem Aufstand in Hammerburg blieben kam es in Folge dieser Gesetze zur Enteignung des abwesenden Adels. Auf den gewonnen Grundstücken entstanden überwiegend Wohngebäude für Bürger oder städtische Gebäude. Es brauchte nicht lange, bis die Einwohner sich wieder ihrem Tagwerk widmeten. Die Veränderungen waren dabei so ernorm und doch kaum zu sehen, arbeiteten schließlich die selben Gesichter an den selben Stätten. Nur eben für einen ausgehandelten Lohn, statt für ihre bloße Existenz. Noch im selben Sommer fuhren auch die ersten Schiffe Hammerburg wieder an. Die Kunde von der befreiten Handelsstadt verbreitete sich schnell und so manch Kaufmann witterte große Geschäfte in dieser armen Stadt, die mutterseelen allein, von Aufständen gebeutelt und ohne Schirmherren war. Tatsächlich ließ sich hier so manch gutes Geschäft abschließen, doch zur Verwunderung der Kaufleute war es nicht das krisengeplagte Land am Rande des Untergangs, dass sie erwarteten. Hammerburg fand in nur wenigen Jahren zurück zu alter Stärke als Handelsknoten in Albingen und erfreute sich regem Waren- und vorallem Zollverkehr.

 

Der Große Brand

Die folgenden drei Jahrhunderte vergingen für Hammerburg beinahe Ereignislos. Die Stadt wuchs und entwickelte sich prächtig. Angesichts des steten Warenhandels musste auch der Hafen ein paar mal ausgebaut werden um die schieren Massen an Schiffen und Frachtkisten zu bewältigen. Kaufleute aus allen möglichen Winkeln der Welt ließen sich in Hammerburg nieder. Knappe Hundert Jahre nach der Republikgründung wurde es erstmals auch Adligen wieder gestattet, sich in Hammerburg nieder zu lassen und zur Überraschung vieler taten das sogar einige. Alle paar Jahrzehnte versuchten zwar brandschatzende Raubritter oder Wandervölker ihr Glück, scheiterten jedoch an den Mauern der Stadt. Nicht zuletzt dank der Garde Hammerburgs. Im zweiten Jahr der Republik durch desertierte Soldaten Ottokars im Dienst für Senat und Volk gegründet, ist zu einer schlagkräftigen und fähigen Armee geworden und wahrt seither den Frieden an den Grenzen des Landes und auf der Stadtmauer. Einzig der Große Brand von Hammerburg erschütterte die sonst ruhige Geschichte des Landes. Im Hochsommer des Jahres 1266 kam es im Norden der Stadt zu einem verheerenden Brand, als sich die trockenen Reeddächer durch die sengende Hitze entzündeten. Den Flammen viel nahezu das gesamte Viertel Nordburg sowie der nördliche und westliche Teil der Barackenstadt mit knapp 8.000 Seelen zum Opfer. Noch während man im Senat über die erneute Bebauung der zerstörten Flächen stritt wurde ein Areal zwischen Barackenstadt und Nordburg zum Friedhof hergerichtet um die wenigen sterblichen Überreste der Brandopfer bestatten zu können. Der Friedhof gilt seither als Mahnmal der Feuerkatastrophe. Später wurden die übrigen Grundstücke in der Barackenstadt wieder mit Wohnhäusern und Handwerkstätten bebaut. Die verhältnismäßig kleine Nordburg diente während des Wiederaufbaus als Material- und Schutthalde. Um die entstandenen Kosten zu decken wurden die Grundstücke der Nordburg anschließend zu lukrativen Konditionen an wohlhabende Bürger, überwiegend Kaufleute, verpachtet. Heute befindet sich die Nordburg fest in der Hand der Magierakademie von Hammerburg.

 

Die Orkbelagerung

Im Jahre 1319 überfiel ein gewaltiges Orkheer von Nordosten her das Land. Woher die stinkenden Grünhäute kamen ist bis heute ungeklärt, ebenso wie ihre Motivation. Die Landbevölkerung und die Einwohner Doromauns schafften es noch knapp, sich hinter die Stadtmauern in Sicherheit zu bringen. Nach einigen Tagen mit heftigen Angriffen auf Hammerburgs Hauptstadt legte sich gespenstische Ruhe über das nördliche Land. Aus dem Angriff wurde eine ausgewachsene Belagerung welche sich ganze fünf Jahre hinziehen sollte. Die Orks breiteten sich in der gesamten Nordergeest aus und errichteten große Lager und ließen sich scheinbar nieder. Erneut bewährten sich die mächtigen Mauern Hammerburgs, denn die Garde konnte jeden der gelegentlichen Angriffsversuche erfogreich abwehren, welche von Jahr zu Jahr halbherziger erschienen. Abgeschnitten von nahezu allen Landwegen und den Ressourcen der nördlichen Landherrenschaften war Hammerburg stärker denn je auf den Seehandel angewiesen um sich auch mit dem Nötigsten zu versorgen. Lediglich die Landverbindung in Dat Ole Land südlich der Alba war noch frei, konnte der Not aber kaum Abhilfe schaffen. Die ausbleibende Versorgung mit Getreiden und Vieh von den Höfen der Nordergeest, sowie dem Stein des Sagabergs zur Instandhaltung der Mauer, bedrohten zunehmend die Stadt und in den langen Wintern fehlten die Köhlereien aus Doromauns Umland schmerzlich. Viele verhungerten oder erfroren in diesen schrecklichen Jahren. Schiff um Schiff befuhr die Alba, aus den fernsten Ländern, um die Hammerburg mit den ersehnten Waren zu beliefern – allerdings nicht aus Selbstlosigkeit. Die Preise die der Senat für die Versorgung zahlte stieg ebenso rasch an, wie die Zahl der Opfer. In dieser verzweifelten Lage wurden immer wieder Expeditionen in den südlichen Wald geschickt um neue Landwege oder Versorgungsmöglichkeiten zu erschließen, doch die meisten mussten nach schon wenigen Tagen in dem dichten und von Sümpfen durchzogenen Wald aufgeben und kehrt machen. Einige kehrten garnicht mehr aus dem Wald heim. Wer nach all den Jahren schließlich noch nicht mit einem Schiff geflohen war gewöhnte sich mit der Zeit beinahe an den Belagerungszustand. So wurden die Hammerburger auch für ihre Sturheit bekannt. Nicht blaues Blut, noch grüne Haut, nimmt mir meine Heymat und Freyheit! Im Jahre 1324 sollte sich diese Sturheit bezahlt machen. Nach einem letzten heftigen Versuch seitens der Orks die Stadtmauern zwischen den Vierteln Barackenstadt und Nordburg zu erstürmen, zog der Stamm schließlich in östliche Richtung davon. Wie von einem auf den anderen Tag waren die Orks plötzlich weg. Um die Gründe für ihr Erscheinen, ihre Hartnäckigkeit und ihr letztliches Abziehen ranken sich in der Bevölkerung etliche Gerüchte. Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, dass die Stadt zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Zusammenbruch stand, denn die Staatskasse war inzwischen hochverschuldet und konnte die horenden Preise der Seehändler kaum noch bedienen. Die immerwährenden Angriffe auf die Mauern haben enorme Schäden an den Wehranlagen hinterlassen, welche teilweise nur noch mit purer Manneskraft verteidigt werden konnten. Doch auch diese ging zur Neige; die Belagerung forderte auch bei Mann und Ausrüstung schwere Verluste. In kürzlich veröffentlichten Senatsunterlagen heißt es, man diskutierte seinerzeit die Möglichkeit die Stadt aufzugeben, da man wohl nur noch wenige weitere Monate hätte stand halten können. Vorallem die Gardeführung hat seitdem ein sehr wachsames und misstrauisches Auge auf die östliche Landesgrenze.

 

Senatus populusque Hammaburgensis

(Entwurf) Neufassung des Kapitels 'Der Stadtrat von Hammerburg' vom 20.11.2021

Nach fünf langen Jahren im Belagerungszustand erholten sich die Hammerburger nur langsam. Viele befürchteten eine Falle hinter dem Abzug der Orks und trauten sich nicht die Stadtmauern zu verlassen. Die Garde entsandte zuerst Spähtrupps um das Umland zu überprüfen und schließlich zu sichern. Die Schäden an den Höfen, auf den Feldern und in der Stadt Doromaun waren verheerend. Zwei Wochen später wurden die nördlichen Landherrenschaften für sicher erklärt und die Landbevölkerung, also jene die Hammerburg nicht verlassen hatten, zogen zurück auf ihre Höfe und die freien Höfe wurden unter Vorbehalt neu verpachtet. Der Senat versprach allen Hofbetreibern volle Unterstützung beim Wiederaufbau, da es vorallem an Nahrungsmitteln in der Stadt mangelte. Doch aus diesem Versprechen, sagen die Landwirte heute verbittert, ist nicht viel geworden. Da der Belagerungszustand vorrüber war und der Landhandel zu den benachbarten Reichen im Norden wieder anlief, ebte der wichtige Seehandel ab. Schließlich war das lukrative Geschäft mit dem Nötigsten vorbei und ansonsten hatte das kleine Land mit seiner brach liegenden Wirtschaft nichts interessantes zu bieten. Hochverschuldet und mit nur geringen Steuereinnahmen war der Senat in den Folgejahren unfähig, den wichtigen Aufschwung der eigenen Produktion zu fördern. Um die zahlreichen Kredite bedienen zu können war dringend frisches Gold nötig und so verkaufte der Senat schließlich sogar einige lukrative Grundstücke an jeden, der es sich in diesen Zeiten noch leisten konnte. Auch andere Rohstoffquellen wie Waldstücke, Lehmgruben oder bislang ungenutzt Felder wurden neu verpachtet. Ein weiteres Problem war der florierende Schmuggel und Schwarzhandel in der Stadt, dem die unterbezahlte und unterbesetzte Stadtwache quasi zahnlos gegenüber stand.
Doch die stolze Hammerburg sollte nicht in den Ruin stürzen, dafür trugen ihre Bürger sorge. Während der Senat es mit Mühe schaffte, alles wenigstens am Laufen zu halten, nahmen die geschäftstüchtigen Kaufleute erneut in ihre Hand, das Land zu neuer Stärke zu führen. Doch neben den alten Handelsfamilien waren es dieses mal vorallem Fremdländische. Jene Familien die vor Jahren ihre Heimat in Shirewale, Jarlow und andernorts verließen und in Hammerburg ihr neues Zuhause fanden. Sie nutzten ihre Vermögen um einen wichtigen Beitrag für den Wiederaufbau zu leisten in dem sie Kredite vergaben oder direkt in den Auf- und Ausbau der Wirtschaft investierten. Die Liebe zu ihrer neuen Heimat trieb sie an, dieses Land zu retten. Sie wollten als Bürger mehr Verantwortung übernehmen, statt alles dem ohnmächtigen Senat zu überlassen. So taten sie sich zusammen zu einem Stadtrat, koordinierten ihr Engagement, bauten soziale Einrichtungen und sanierten in Eigenverantwortung wichtige Gebäude und Hafenanlagen. Sie betrachteten ihr Handeln als Bürger der Stadt nicht nur für Gerecht sondern auch für Geboten, ganz getreu dem Leitspruch über dem Tor der Ratshalle: Senat und Volk von Hammerburg. Die alten Handelsfamilien sahen dies mit Skepsis und versuchten ihrerseits, einen Teil zum Wiederaufbau beizutragen, doch waren sie gefangen in altem Denken und hielten sich an Ausschreibungen und Genehmigungen des Senats, während der Stadtrat einfach tat was nötig schien. Bei der Bevölkerung sorgte diese Tatkraft und scheinbare Selbstlosigkeit für starke Sympathien. Obwohl in den Jahren davor noch Gerüchte umgingen und die Fremdländischen oft als Ganoven und Kriminelle verschrien waren, als Sündenbock des Volkes für alles Übel herhalten mussten, wurden die Familien nun für ihre Taten gefeiert. Die Wirtschaft erholte sich mit jedem reparierten Handwerksbetrieb und jedem hergestelltem Handelsgut, doch der Seehandel blieb nahezu aus. Der Senat entsandte zwar Diplomaten in ferne Länder, um neue und alte Handelsverträge zu schließen, jedoch blieb dieses halbherzige Unterfangen weit hinter dem, was die Stadt dringend benötigte zurück. So nahm der Stadtrat sich eine Berfugnisse heraus und besorgten die nötigen Auslandskontakte und Verträge. Obwohl diese Gönner Stück für Stück Aufgaben und Verantwortungen übernahmen, welche der Regierung zukommen, hielt der Senat sie nicht auf. Angesichts des Erfolgs dieses Stadtrats, wäre dies nun auch kaum noch möglich gewesen. Dieser Erkenntnis folgend, trat der Senat letztlich alle seine Befugnisse und die Regierungsgeschäfte an den Stadtrat ab. In den folgenden Jahren erblühte die Stadt unter der Führung des Stadtrats beinahe zu altem Glanz. Um der stetig wachsenden Zahl an einlaufenden Schiffen gerecht zu werden, ließ der Stadtrat den Tiefwasserhafen ausbauen und neue Lagerhäuser errichten. Gleichzeitig wurden Waisenhäuser und Armenküchen begründet, um auch dem schwächsten Teil der Bevölkerung zu helfen. Gemeinsam mit weiteren fremdländischen Gruppen begann man sogar, das als Gosse in Verruf stehende Faulviertel zu sanieren und errichtete ein Ausbildungskontor. Die Bevölkerung war sehr zufrieden mit ihrer neuen, sehr bürgernahen, Regierung und ignorierte deshalb den Umstand, dass der Stadtrat entgegen hammerburger Tradition nicht frei gewählt wurde. Doch die Mächtigen waren noch nie sicher vor Missgunst. So kamen erneut Gerüchte auf, dass einzelne Stadträte nicht die selbstlosen Patrone sein, als die sich darstellten. Als bekannt wurde, dass tatsächlich gegen einen Stadtrat ermittelt wird, versuchten die übrigen Räte angeblich sogar, die Stadtwache davon abzuhalten. Die Kürzung der finanziellen Mittel konnte den damaligen Stadtwachenkommandeur jedoch nicht von seinem Vorhaben abbringen und so wurde der beschuldigte Stadtrat verhaftet und verurteilt. Trotz einer eher milden Strafe, brach in der Folge eine Art Fehde zwischen dem Stadtrat und dem Wachkommandanten aus, welche darin gipfelte, dass dieser seinen Posten räumte und Hammerburg verließ.
Der wirtschaftliche Aufschwung war geschafft und der Stadtrat musste sich zunehmend mit den alltäglichen Problemen einer Regierung herumschlagen. Doch während im Aufbau von Wirtschaftskraft seine große Stärke lag, entpuppte sich das Führen einer Nation als seine Schwäche. Es sollte noch einige Monate dauern, bis der Stadtrat sich dies eingestehen konnte und sein Werk als vollbracht ansah. Der Senat, in seiner früheren Besetzung unrühmlich bekannt für das erfolgreiche Verwalten des Status Quo, wurde schließlich vom Stadtrat offiziell gebeten die Amtsgeschäfte wieder zu übernehmen.

 

Der zweite Senat von Hammerburg

Die Rückkehr des Senats werten Historiker heute als lange geplanten Schachzug. So wurden die vorallem privaten Mittel und guten Kontakte der fremdländischen Stadträte ausgenutzt, bis das zu erwartende Ende ihrer Fähigkeiten erreicht wird um die Regierungsgewalt genau an jenem Scheitelpunkt zu übernehmen wo die Wirtschaft wieder funktionierte, die Unterstützung der Bevölkerung für den Stadtrat langsam schwindet und die Unfähigkeit des Senats vergessen war. Doch entwickelte sich in der Führung Hammerburgs eine traurige Routine, dass alle paar Jahre ein grober Fehler gemacht wird. In dem Irrglauben die volle Unterstützung des Volkes und Kontrolle über Hammerburg zu genießen, sollte ein simples Handelsgesetz fatale Folgen haben. Um die einstige Neutralität des kleinen Landes zu betonen sollten die Handelswege auch gegenüber sogenannten „chaotischen“ Ländern wieder geöffnet werden. Dies zog jedoch heftige Reaktionen einiger der wichtigsten Handelspartner Hammerburgs nach sich. Allen voran das Imperium der Menschen, der Bretonische Reichsverband und die Zwerge von DûnMar protestierten lautstark gegen den Empfang von chaotischen Gesandten in Hammerburg und verhängten teilweise Handelsembargos oder drohten mit Krieg. Die Rücknahme dieses Handelsgesetzes galt als schwerer Rückschlag für den Senat und die diplomatischen Bemühungen um jene Handelspartner dauerten beinahe ein volles Jahr ehe sich die Beziehungen normalisierten und die Handelsabkommen, zumindest mit dem Imperium der Menschen und den Zwergen von DûnMar, erneuert wurden. Die Beziehungen zum Bretonischen Reichsverband konnten bis heute nicht wieder aufgenommen werden. Aber auch innerhalb der Bevölkerung Hammerburgs zeigte dieses Gesetz die tiefen Wunden der Orkbelagerung auf. Vor der Bevölkerung geheim gehalten verstarben nach und nach einzelne Senatoren unter mysteriösen Umständen. Obwohl bereits frühzeitig Gerüchte in Umlauf gerieten, es würden Senatoren verschwinden, sollte es ein gutes Jahr dauern bis die Mordserie publik wurde und vom stark dezimierten Senat öffentlich eingeräumt wurde. Eines der letzten Opfer dieser Schandtat konnte sich nach dem Angriff auf sein Leben noch in eine gut besuchte Taverne unweit seines Hauses schleppen, ehe er dort in den Armen seines Sohns und unter den Augen der Tavernengäste verstarb. Dieses Ereignis erschütterte ganz Hammerburg und nachdem bekannt wurde, dass scheinbar sämtliche Senatoren ermordet wurden die seinerzeit für das Handelsgesetz stimmten kam es zu Unruhen in der Bevölkerung. Die Stadtwache tappte bei den Ermittlungen völlig im dunkeln und der übrige Senat verhängte den Notstand. Im Frühjahr Jahre 1333 traten die überlebenden Senatoren schließlich vollständig zurück und leitete Neuwahlen ein. Erst zum zweiten Mal in der Geschichte Hammerburgs wurden alle Senatssitze auf einen Schlag neu gewählt. Der bürokratische Aufwand war enorm und im Verlauf der Wahl mit seinen Bezirksvorwahlen kam es immer wieder zu Verzögerungen und sogar zu versuchter Manipulation durch eine imperialistische Strömung die sich selbst als „Asoziale“ bezeichnet. Der zweite Senat von Hammerburg wurde schlussendlich im Spätherbst des Jahres 1333 in der Ratshalle vereidigt. Die Morde an den Senatoren konnten bis heute nicht aufgeklärt werden und die Stadtwache tappt über die Motive im Dunkeln.